Dinge …

… an die ich mich wohl nie gewöhnen werde.

Nach dreieinhalb Jahren in Moskau finde ich vieles gar nicht mehr so schlimm. Ehrlich gesagt ist es eine Freude mit anzusehen, wie sich diese Stadt weiterentwickelt. Teilweise finden richtige Quantensprünge statt – so empfunden beim letzten Besuch im Gorki Park, der sich innerhalb eines Frühjahrs vom sozialistischen 60er-Jahre-Mief befreit und in eine moderne Stadtoase verwandelt hat.

Vielleicht entwickelt sich die Stadt aber gar nicht so schnell weiter. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich mich an viele Dinge gewöhnt habe: Verkehr, Lärm, Lebensgefahr auf dem Zebrastreifen, mürrische Buskartenverkäuferinnen, kruschelige, enge Gänge im Minisupermarkt an der Ecke …

Es gibt aber dennoch Dinge, die mir nach wie vor einen Schauder über den Rücken laufen lassen. Dazu gehört an erster Stelle das Spucken – wer auf unappetitliche Schilderungen empfindlich reagiert, sollte diesen Beitrag an dieser Stelle verlassen.

Es ist in Russland anscheinend völlig normal, aus tiefster Lunge auf den Gehweg zu rotzen. Beim Laufen in der Stadt achte ich daher nicht nur darauf, den zahlreichen Hundehaufen auszuweichen, ich umtrippele auch möglichst elegant die riesigen Rotzplacken, die ich nicht unbedingt an den Schuhsohlen kleben wissen möchte.

Man kann es auch oft im Straßenverkehr beobachten. Ampel auf Rot, Auto bleibt stehen, Fahrertür geht auf, Kopf raus, husten, rotzen, Tür zu. Bäh!

Das Spucken ist aber keinesfalls eine Angewohnheit nur von Menschen, von denen man das auf den ersten Blick eigentlich nicht anders erwartet, Menschen deren Erscheinungsbild per se schon unappetitlich ist. Im Gegenteil.

Neulich, früh am Morgen, kommt mir vor dem Haus doch dieser Herr mittleren Alters in einem schicken Zwirn entgegen. Anzug, Krawatte, blitzblanke Schuhe, Aktentasche. Da erwartet man wirklich nichts Böses, erst recht keine noch fiesere Variante des üblichen Rotzverhaltens. Und dennoch. Der feine Pinkel schien an Nasenverstopfung zu leiden, was er mit einer Geste bekämpfte, die man gemeinhin nur auf dem Fußballplatz zu sehen bekommt – ein Nasenloch zugehalten und Wasser, nein, Rotz marsch! In aller Öffentlichkeit.

Das ist nicht ungewöhnlich. Und es scheint niemanden zu stören oder empören! Ich kann das vor dem Frühstück aber nun wirklich nicht gebrauchen. Und danach auch nicht. 

Guten Appetit!

Und übrigens …

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5 Kommentare

  1. Anonymous

    …brrrrrr, und da wirds mir schon übel, wenn mal’n Teenie „cool“ auf den Steig rotzt.

    Scheint mir ja so ne Art kulturelle Unsitte bei deinen Russen zu sein – abgesehen von der Tuberkolose. Ich bedauere dich von Herzen! ^^

  2. Katja Tongucer

    Dachte ich mir, dass dich das Thema begeistert, Micha. :)

  3. Anonymous

    … wie gut, das ich mit dem Frühstück schon durch bin ;)

  4. Anonymous

    ..ohje, ein wirklich empfindliches Gemuet.. Wir waren neulich in China. Im „buergerlichen“ Restaurant. Weitere Details ueberlasse ich Deiner sicher lebhaften Phantasie.
    Nein, nicht das mich das nicht stoert, aber ich bin dank der Russen auf ein anderes Phaenomen aufmerksam gemacht worden, wo in einem Russischen Blog vermutlich das Gleiche ueber die Deutschen geschrieben werden wuerde (oder schon wurde): Das laute Schneuzen in Taschentuecher. Kommentar von meinem Deutschlehrer: „die Schwalben sind gen Sueden geflogen und die Elefanten gen Norden!“ Das wird von den Landsleuten hier als super-eklig empfunden und ich kann es Ihnen mit dem Abstand, den ich zu Deutschland inzwischen habe, ehrlich gesagt, nicht veruebeln..
    Alle drei Nationen stehen also vor neuen grossen Herausforderungen im Rahmen der Globalisierung.
    Und ich versuche zu Lokalisieren & schlage am Sonntag bei schoenen Wetter ein Picknick in unserem Park vor! (Ohne Rotzen & Schneuzen =)

  5. Anonymous

    Andere Länder, andere Sitten. So schön es ist, darüber zu lesen, so froh bin ich auch, es nicht live zu erleben ;-)
    Liebe Grüße nach Moskau
    Andrea

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