Die Moskau-Krankheit

Der November ist einer dieser Monate, in denen die Moskau-Krankheit verstärkt um sich greift.

Zumindest nenne ich sie so. Moskau-Krankheit. Es ist diese Müdigkeit, die mit dem chronischen Lichtmangel einhergeht. Das Gefühl, dass es überhaupt nicht mehr hell wird und man selbst gar nicht so richtig wach. Es ist diese Unlust, das Haus zu verlassen und sich den nasskalten Minusgraden auszusetzen. Man möchte sich einigeln, im Bett bleiben, nicht reden, niemanden sehen. Vielen fällt der tägliche Kampf mit der russischen Arbeitsweise schwerer als sonst und man sieht im Expat-Freundeskreis so manch graues, gestresstes Gesicht.

Ja, natürlich, das kennt man. Ist doch normal. Der Herbst kann trübe sein, auch in Deutschland. Aber in Moskau ist es irgendwie härter. Schlimmer. Kraftraubender.

Generell kommt es mir manchmal so vor, als befände sich unter der Stadt ein riesiger Energiestaubsauger. Viele Expats hier kennen das Gefühl, doch es ist schwer zu beschreiben. Man fühlt sich jeglicher Energie beraubt, sobald man nur das Haus verlässt.

Ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Die Stadt ist zwar laut und voll, aber dennoch geht es längst nicht so hektisch zu wie in anderen Großstädten. Trotzdem geht von ihr ein undefinierbarer Druck aus, der ermüdend ist und das Lächeln aus den Gesichtern der Menschen wischt. Und das ist nicht unbedingt wetterabhängig.

Das Wetter trägt natürlich auch seinen Teil dazu bei. Derzeit ist es kalt, regnerisch, es schneit auch zwischendurch, aber noch hat der Schnee kein Chance und schmilzt ganz schnell wieder von dannen. Der Himmel ist grau und die Natur hat auch jegliche Farbe verloren. Wir alle warten auf richtigen Schnee, der mit seinem strahlenden Weiß hoffentlich unsere Gemüter wieder etwas erhellt. Dann ist ein Spaziergang in eisiger Kälte und bei strahlendem Sonnenschein eine ganz gute Medizin gegen die Moskau-Krankheit.

Also, Schneeflöckchen, so geht das nicht weiter. Beweg dein weißes Röckchen bitte recht bald hierher!

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    …meinst du echt, dass das nur bzw. besonders in Moskau so ist? So wie du beschreibst, kommt mir das doch sehr bekannt vor – hier in Düsseldorf.

    Nuja, ich hoffe es wird bald alles weiß bei euch sein, wegen dem Gemüt und so. ;-)

  2. Anonymous

    Ja, Farben haben wir hier noch. Die Farben des Herbstes, von rot über orange bis gelb ist alles vertreten und heute stand in der Zeitung, daß hier in der Nähe von Osnabrück sogar ein Feld mit blühenden Kornblumen sei.

    Also, der Winter ist noch nicht da und auch die übliche November Depri nicht.

    Liebe Grüße H.G.

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