Unschön.

Das Expat-Leben in Moskau hat mir einige nette Annehmlichkeiten beschert. Eine davon ist Liza, meine Haushaltshilfe.

Liza ist Philippinin, sie lebt seit drei Jahren in Moskau und schickt ihren Verdienst wann immer möglich in ihre Heimat. Dort hat sie zwei fast erwachsene Söhne, die bei Lizas Eltern leben und die sie auch schon seit drei Jahren nicht gesehen hat. Hier in Moskau wohnt Liza in einer Wohngemeinschaft mit mehreren Landsleuten.

„Meine“ Liza wäscht und putzt und bügelt und betreut die Kinder und in den Ferien den Hund. Wir mögen sie sehr gerne. Die Kinder lieben sie, weil sie immer mit ihnen Schule, Verstecken oder Monster spielt. Sie lässt sich von ihnen sogar die Nägel lackieren und die Haare machen, was ich persönlich niemals zulassen würde. Dafür bin sogar ich uneitle Person zu eitel.

Ich mag Liza, weil sie sehr selbständig und zuverlässig ihre Arbeit macht. Manchmal muss ich sie regelrecht bremsen, wenn sie dem Aufräumwahn verfällt. Ihre Anwesenheit hat zudem den Vorteil, dass ich mehr Zeit und Energie aufs Kochen verwende, was dem kulinarischen Alltag im Hause T. sehr zugute kommt.

Leider war Liza diese Woche ein paar Tage außer Gefecht gesetzt. Auf dem Heimweg wurde sie einfach so im Vorbeigehen von einer betrunkenen Russin niedergeschlagen. Eine Glasflasche von hinten auf den Kopf. Zack! Liza ist froh, dass sie noch lebt.

In Russland gibt es meiner Meinung nach drei Hauptprobleme: Korruption, Alkoholismus und Rassismus. Der Kombination der zwei letztgenannten ist Liza wohl zum Opfer gefallen. Asiatisches Aussehen reicht oft aus, um angegriffen zu werden. Es ist eine Schande!

Die Polizei hat Liza nicht gerufen. Und ärztliche Versorgung hat sie auch nur nach vielem Hickhack wegen fehlenden Papieren (die gerade auf Visumsverlängerungsreise sind) erhalten. Damit wären wir bei Problem Nummer eins. Der Korruption. Denn für Gerechtigkeit und Gesundheit hat Liza einfach nicht das Geld.

Ja, das klingt alles sehr polemisch. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich Menschen nicht über einen Kamm schere. Aber es ist schon so. Diese Angriffe auf Menschen mit asiatischem Aussehen sind gar nicht so selten in Moskau. Und das nötige Kleingeld in der Tasche entscheidet oft, auf welche Seite der diensthabende Polizist sich schlägt oder ob das Röntgengerät zufällig doch gerade frei ist.

Realität. Unschön. Aber auch nur eine Seite der Medaille. Die Realität besteht aber zum Glück nicht nur aus einer Geschichte.

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