Flucht …


… auf die Südhalbkugel.

Hinweis: Dies wird ein Beitrag übers Wetter. Wer sich nicht fürs Wetter interessiert, der darf gerne wieder woanders über Bombardierungen, Tsunamis, Verstrahlungen und Wahlkampftaktiken lesen. Auswahl gibt es da derzeit ja genug…

Der März gehört mit zu den schlimmsten Monaten im Jahr.

Der Winter ist noch nicht zu Ende, aber der Frühling pirscht sich schon heran. Leider entgeht das dem Winter meist nicht und er mag sich nicht kampflos ergeben. Im Gegenteil. In den letzten drei Tagen hatten wir Temperaturen zwischen – 5 und + 8 Grad Celsius. Es gab Schnee, Schneeregen, Regen, Sonne und viel, viel Wind. Das ideale Wetter für Taschentuch- und Gummistiefelfabrikanten.

Es ist ein Schauspiel, das einen Schriftsteller zu literarischen Höchstleistungen antreiben kann. Ich würde aber dennoch gerne drauf verzichten. Zu viel Dramatik!

Der russische Wettergott ist übrigens ganz gemein. Er hat nämlich vor den Frühling das Tauwetter gesetzt. Während der Winter ja über Monate hinweg fleißig meterhohe Schneeberge angehäuft und mit eisigen Klauen festgehalten hat, muss der Frühling sich mit dem Tauwetter verbünden, um die Welt wieder ergrünen lassen zu können. Das heißt, sobald die Temperaturen wieder steigen, verwandelt sich Moskau in eine einzige, riesige, schmutzige Pfütze. Da es kaum mehr schneit, wird der noch vorhandene Schnee immer schwärzer, schmuddeliger, unansehnlicher. Wi-der-lich! Man will nur noch weg!

Und es tropft. Überall tropft es. Man kann keinen Schritt tun, ohne von oben mit Eiswasser gesegnet zu werden. Und man kann auch kein Auge zumachen, ohne dass es vor dem Fenster plitscht und platscht.

Das ist manchmal sogar recht gefährlich. Am Anfang sind die Dächer ja noch voller Schnee und Eis. Riesige Eiszapfen hängen teilweise von den Dachkandeln und drohen den ahnungslosen Spaziergänger zu erschlagen.

Und dann – ganz perfide – gibt es diese fiesen Fallen. Wenn die Temperaturen nachts sinken, dann frieren die Pfützen wieder zu und oftmals sind sie morgens von feinem Schneestaub verdeckt. Aua! Hochbetrieb in der Orthopädie! Mit langen Wartezeiten ist zu rechnen.

Ja. Der März in Moskau ist fies. Ganz fies.

Aber manchmal, wenn es weder schneit noch regnet oder stürmt, manchmal, wenn die Sonne mit großzügiger Erlaubnis des Winters vom strahlend blauen Himmel scheinen darf, dann merkt man, dass es nicht mehr lange dauert.

Bis zum Frühling.

(Derweil verabschieden wir uns für eine Weile aus Moskau und machen uns unter anderem auf den Weg zu unseren lieben Freunden nach Brasilien, denen wir ein paar Tage lang auf die Nerven gehen dürfen, bevor wir uns im April dann wieder vom Fortschritt des Frühlings in Moskau überraschen lassen.)

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Ein Kommentar

  1. Anonymous

    Liebe Katja, Du sprichst mir aus der Seele. Dieses Jahr ist es das erste Mal, dass ich vom Wetter hier genervt bin – obwohl wir ja eher Stubenhocker sind, da wir uns es aussuchten koennen, ob wir rausgehen oder nicht.. Ich wuensche Euch einen vollen Sonnentank bei der Rueckkehr und der April ist ja dann auch nicht mehr so gemein (das ist der „otechestvennaya-kraska-Monat“, wo die ganze Stadt nach Loesemitteln stinkt aber dafuer wieder frisch in quietschgelb, schweinchenrosa oder nickelgruen erstrahlt =)! Guten Flug! Stefanie

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