Samstags zur Schule


In meiner Jugend – und damals hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals einen Satz mit diesen Worten beginnen würde – war es ganz normal, auch samstags die Schultasche zu schnappen und in die heiligen Hallen der Bildung zu fahren.

Wir machten uns darüber keine Gedanken. Es war halt so.

Nun gut, irgendwann wurde dann der schulfreie Samstag eingeführt. Einmal im Monat durften wir ein zweitägiges Wochenende genießen. Die versäumten Stunden wurden an einem Rolltag nachgeholt, was immer wieder zu Verwirrungen führte. In dem einen Monat in der kurzen Woche am Montag Unterricht wie samstags, im nächsten Monat am Dienstag, etc. Kann jemand folgen? Wir konnten es oft nicht und es gab immer Probleme. Und als dann 14-tägig der schulfreie Samstag eingeführt wurde, fragten wir uns schon nach dem Sinn von Samstagsunterricht an sich.

Wie einfach haben es die Kinder da heute. Samstag ist schulfrei. Punkt. Herrlich.

So ist es auch hier in Moskau. Die internationale Schule, die unsere Kinder besuchen, hat samstags geschlossen. Samstags wird auch nicht gearbeitet.

Außer heute.

Heute ist Schule, weil heute auch ein normaler Arbeitstag ist, weil letzte Woche am Donnerstag Feiertag war und der Freitag als Brückentag genutzt wurde, was diese Woche durch eine Sechs-Tage-Woche ausgeglichen wird.

Kapiert?

Wer nun glaubt, das sei eine lustige Idee der Schule, der irrt. Das ist höchst offiziell von der russischen Regierung so festgelegt. Genauso wird bestimmt, dass ein Feiertag, wenn er auf einen Samstag oder Sonntag fällt, am Montag nachgeholt wird. Die Feiertagsregelungen in Russland sind also sowohl arbeitnehmer- als auch arbeitgeberfreundlich.

(Übrigens ist nach langen Wochenenden montags immer nur sehr wenig Verkehr auf Moskaus Straßen. Ich habe mich oft gefragt, warum das so ist, bis mir jemand grinsend erklärte, dass dann der Alkoholpegel im Blut noch zu hoch sei, um Autofahren zu können. Das ist eine Erklärung, die ich sofort und ohne weitere Recherche glauben kann.)

Die Schule der Kinder hatte letzte Woche darum gebeten, die Kinder, die an diesem Samstag erscheinen wollen, anzumelden. Wohl wissend, dass sicher nicht alle Eltern ihre Kinder dann zur Schule schicken würden.

Ich habe meinen Kindern die Wahl gelassen, mit dem unglaublichen Ergebnis, dass die Kleine zu Hause geblieben ist, weil sie sonst ihren Kunstkurs verpassen würde, und – nicht zu fassen – die Große, die Ich-mag-die-Schule-nicht-Tochter, heute freiwillig in den Schulbus stieg.

Natürlich findet heute kein normaler Unterricht statt. Activities stehen auf dem Plan. Wie die aussehen, werde ich dann heute Nachmittag erfahren, wenn das große Kind hoffentlich mit einem schönen, erlebnisreichen Tag im Erzählgepäck nach Hause kommt.

Dass ich das noch erleben darf! (Auch so ein Satz…)

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