Datschaland


Manchmal muss man einfach raus. Raus aus dieser riesigen Stadt. Sich vergewissern, dass sie auch wirklich irgendwo ein Ende hat.

Da am Samstag schönes Wetter war, haben wir nach dem Frühstück recht spontan unsere Sachen gepackt und sind rausgefahren.

Und ja, die Stadt hört irgendwann auf. Der Stau aber noch lange nicht.

Unser Ziel war nur ca. 50 km entfernt, ein großer See, von dem wir uns schöne Ausblicke, kühlendes Nass, viel Natur und frische Luft erhofften. Alles das fanden wir auch, aber erst nach gut 2 Stunden, in denen es nur im Schritttempo voranging.

Denn dort wo der See ist, ist auch Datschaland. Da stehen die urigen kleinen Holzhäuschen, dicht an dicht auf winzigen Grundstücken. Oft von hohen Gräsern umhüllt, von Obstbäumen umringt, inmitten sehr grüner Landschaft. Da verbringen die Russen im Sommer jede freie Minute. Und da fahren leider alle meist zur selben Zeit hin. Zähfließender Verkehr. Ein Wort, das sich passender nicht anhören könnte.

Datscha kommt vom russischen Wort „dath“, was so viel heißt wie „geben“. Denn nach der Revolution bekam jeder Moskauer ein Stück Land vor den Toren der Stadt zugesprochen. Es wurde ihm gegeben und er baute ein Häuschen darauf, in dem er fortan den Sommer verbrachte.

Heute sind viele Datschen zu richtigen Wohnsitzen geworden. Wenn man durch die Siedlungen fährt, sieht man leider nur noch wenige der urigen Holzbaracken, grün oder blau angemalt mit Schnitzereien und Spitzengardinchen hinter den Fenstern.

Je näher man der Stadt ist, desto weniger ist übrig vom alten russischen Charme. Auf den immer noch kleinen Grundstücken werden immer mehr, immer größere Villen gebaut. Sie stehen dicht an dicht. So dicht, dass man sich fragt, warum die Leute nicht gleich in der Stadt bleiben. Mir würde bei der Enge dort die Luft wegbleiben.

Wie dem auch sei, wir verbrachten einen netten Nachmittag am See. Nicht weiter der Rede wert. Ein pupsnormaler Familienausflug. Am Abend reihten wir uns wieder ein in die Blechlawine, die sich durch Datschaland zurück in die Großstadt schlängelte.

Sie hört auf die Stadt, irgendwo im Datschaland.

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    Das war ja dann fast wie in Siersburg hinterm Haus an der Nied *lol*

  2. Anonymous

    So ähnlich… ja. Irgendwie schon. :)))

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