Im Untergrund


Moskau ist eine Stadt, die nach nur kurzer Zeit keine großen Überraschungen mehr bereit hält. Finde ich zumindest. Mir fehlen die kleinen, verborgenen Orte, die einen besonderen Charme ausstrahlen und an die man immer gerne wieder zurück kehrt.

Moskau hat tolle Sehenswürdigkeiten, das ist keine Frage, und bei meinem ersten Besuch war ich auch sehr überrascht und angetan von der Stadt. Aber nach nun über einem Jahr, entdecke ich nur noch selten Sachen, die Eindruck hinterlassen.

Neulich aber war ich an einem Ort, der absolut erwähnenswert ist. Der International Womens Club in Moskau organisiert wöchentlich Museumsbesuche und manchmal gerate ich so in Museen, die mir sonst verborgen geblieben wären. Letzte Woche besichtigten wir eine Zweigstelle des Museums für neuere Geschichte. Es handelt sich dabei um einen Ort, an dem bei der ersten Revolution 1905-1906 eine geheime Druckerei verborgen war. Dort wurde eine Zeitung gedruckt, für die unter anderem Maxim Gorki geschrieben hat.

Als Tarnung diente ein als Obstgroßhandel geführtes Ladenlokal. Im Keller wurden aber nicht nur Obst und Gemüse gelagert, dort hatten die Bolschewiken hinter einem trockengelegten Brunnen eine Druckerpresse installiert und Flugblätter und Zeitungen gedruckt.

Da die Druckerei von der zaristischen Polizei nie entdeckt wurde, blieb die Einrichtung bis heute erhalten. Sie wurde 1924 in ein Museum verwandelt.

Man kann nicht nur das Ladenlokal besichtigen, sondern auch den dahinter liegenden Wohnraum und die Küche. Das gesamte Projekt war sehr gut geplant und getarnt. Die Eheleute, die den Laden zur Tarnung führten, stammten aus Georgien und waren angeblich die Schwiegereltern von Stalin.

Das Highlight ist aber, wenn man in den Keller herabsteigt. Da kommt einem der Geruch von Abenteuer entgegen, man fühlt sich, als tauche man hinab in die Zeit der großen Revolution.

Ich fand es spannend und empfehlenswert.

Es gibt sie also doch in Moskau, die verborgenen Orte, die anders sind. Die im Gedächtnis bleiben.

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Ein Kommentar

  1. Anonymous

    Danke für den Tipp, werd ich mir so bald wieder Zeit ist auf jeden Fall anschauen, klingt spannend und ist bestimmt nicht so überlaufen wie andere Ausstellungen. Ich werde berichten sobald ich da war ;)

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