Einkaufsparadies (2): Problemnahrungsmittel


In Moskau kann man also alles kaufen. Leere Supermarktregale sind Geschichte. Allerdings gibt es einige Problemnahrungsmittel.

Brot
Als Deutscher im Ausland hat man dieses Problem meistens. Das russische Standardbrot ist weiß, weich, süßlich und kommt eingeschweißt in Folie daher. Nicht wirklich lecker, auch getoastet nicht. Zum Glück ist auch hier Land in Sicht. Immer mehr – zumeist französisch angehauchte – Bäckereien bieten Backwaren an, die dem frankophon geprägten saarländischen Haushalt schmecken. Neulich habe ich sogar entdeckt, dass es in einem der Lädchen hier im Viertel frisch gebackenes Ciabatta und ähnliches gibt. Allerdings ist das eher ein Glücksspiel, denn neu gebacken wird wohl erst, wenn alles abverkauft ist. Das kann dann auch mal zwei, drei Tage dauern und bis dahin bekommt das leckere Baquette ebenfalls eine knusprigkeitstötende Folie verpasst. Schade.

Fleisch
Es gibt Fleisch. Natürlich. Aber die Qualität an der Supermarkttheke ist nicht immer berauschend. Erstens kann man nicht sicher sein, ob beim Transport die Kühlkette eingehalten wurde (was auch den Tiefkühlbereich zum eher unattraktiven Einkaufserlebnis macht). Zweitens weiß man bei manchen Supermärkten nicht, wie lange das Fleisch schon auf einen Käufer wartet, um es mal nett auszudrücken. Und drittens ist das Zeugs manchmal so gewässert, dass man die doppelte Menge braucht. Neulich wurde mir beim Hackfleisch anbraten so übel vom Geruch, dass es dann doch nur Tomatensauce gab. Der Rest der Bolognesezutaten landete im Müll.

Wir gehören allerdings zu den Priviligierten, denn wir besitzen eine Metro-Einkaufskarte. Dort – um mal eine Lanze für den Arbeitgeber des Gatten zu brechen – bekommt man nach einhelliger Expat-Meinung das beste Fleisch. Und das stimmt auch. So findet man schnell neue Freunde. „Hey, ich habe eine Metro-Karte, soll ich dir Steaks mitbringen?“

Frisches Obst und Gemüse
Auch das bekommt man natürlich in Moskau. Aber von der Auswahl, vor allem im Winter, die wir in Deutschland gewohnt sind, können wir hier nur träumen. Es sei denn, man begibt sich zu einer Markthalle. Das ist aber leider immer etwas umständlich. Nein, ehrlich gesagt, habe ich mich bisher noch nicht dahin getraut. Das hole ich aber bald mal nach und werde natürlich berichten.

Ich bin dazu übergegangen, das Gemüse und Obst an der Bude hier zu kaufen. Denn dort ist es relativ frisch und die Frau Gemüsehändlerin kennt mich und meine mangelhaften Sprachkenntnisse inzwischen recht gut, sodass es mir regelmäßig ein Russisch-Erfolgserlebnis verschafft, dort einzukaufen. Und der Speiseplan ist dann eben mehr saisonal geprägt, was umwelttechnisch ja nicht schadet. Kohl kann man ja auf unterschiedlichste Weise zubereiten.

Joghurt
Vorneweg sei erwähnt, dass Naturjoghurt für unseren Haushalt ein absolutes Grundnahrungsmittel darstellt und auch in Deutschland nicht immer das Angebot unseren Erwartungen entspricht. Es sei denn, wir kaufen im türkischen Laden. Denn das ist der Maßstab, dem es zu entsprechen gilt: köstlicher, fettreicher, geschmacksintensiver, türkischer Joghurt.
In Moskau ist Joghurt Mangelware. Es gibt Smetana. Saure Sahne. In tausend Variationen und Fettstufen. Smetana gehört zu beinahe jedem Essen dazu. Aber Joghurt leider nicht. Dafür gibt es Quark und davon können die meisten Auslandsdeutschen nur träumen. Die Käsekuchenproduktion ist gesichert.

Bio? Fehlanzeige
Tja. Wer auf Bionahrungsmittel Wert legt, für den ist Moskau definitiv der falsche Ort, es sei denn, er gehört zur Millionärselite der Hauptstadt. Die Biowelle hat den russischen Markt noch genauso wenig erobert wie die Discount-Supermärkte. Und wenn mal bio irgendwo draufsteht, dann steht es aber auch nur drauf. Drin ist es noch lange nicht.

Das ist eine schwer zu schluckende Kröte für mich, zugegeben. Aber dafür muss ich hier den Müll auch nicht mehr in drölfzig verschiedene Tonnen kippen. Eine Tonne für alles. Mein seit den achtziger Jahren sorgsam gezüchtetes grünes Gewissen hat sich beim Thema Mülltrennung erstaunlich schnell aus dem Staub gemacht. Das Leben ist in manchen Bereichen auch einfacher in Moskau.

Fortsetzung folgt.

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3 Kommentare

  1. Anonymous

    Hm… was Fleisch etc. angeht, werde ich erstmal nicht widersprechen, aber was das russische Brot angeht, so – sorry – aber da liegst du vollkommen falsch! Denn russisches Standardbrot ist sehr wohl dunkel, auch aus verschiedenen Mehlanmischungen zubereitet und kommt auch dem deutschen Brot (wenn man das so will) sehr nahe. Und: es ist auch überall zu haben und auch immer (welch ein Wunder!) frisch.

  2. Anonymous

    Danke für deinen Kommentar, Polina. Du hast recht, es gibt nicht nur helles, weiches Brot, sondern auch dunkle Sorten. Und manchmal sind die auch sehr lecker, das stimmt. Umso schlimmer finde ich die Unart, das Brot immer in Folie einzuwickeln. Außerdem ist manchmal Kümmel zugesetzt, was schon gewöhnungsbedürftig ist.Mit dem russischen Brotangebot kann man sich durchaus arrangieren.Aber wir sind eine Weißbrotfamilie und vermissen frische, helle, knusprige Brötchen und französisches Baguette. Das bekommt man inzwischen häufiger, aber es ist halt immer eine Glückssache.

  3. Anonymous

    Hm, ich kenne französisches Baguette in Moskau schon seit ich Kind war und das ist einige Jahre her… Außerdem gibt es ganug Läden, wo man auch nicht eingepacktes Brot bekommt, sind dann keine Supermärkte. Da steht dann „хлеб“, was so viel wie „Brot“ bedeutet.

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