Fehlfarben


Als Fehlfarbe bezeichnet man eine fehlerhafte, falsche Farbe oder Farbgebung. Genau so scheint es mir in Moskau derzeit zu sein. Ich fühle mich umgeben von Fehlfarben. Verwaschenes Blau, alles dominierendes Braun, sehr blasses Sonnengelb, dazwischen viel, viel Grau.

Kein kräftiges Sommerhimmelblau, kein leuchtendes Wintersonnengelb, kein frisches Frühlingsgrün. Strahlendes Herbstblumenrot nur als Klecks zwischendurch, wenn durchgestylte Russinnen in grellfarbenen Winterjacken auf Stöckelabsätzen vorüberklackern.

Selbst der Schnee im Winter ist nach einem halben Tag nicht mehr weiß, sondern grau.

Im September, während unseres Look-and-See-Trips, gefiel mir die Stadt richtig gut. Es war sonnig, warm, farbig, irgendwie heiter. Seit unserer Ankunft hier im Dezember fehlen mir die Farben.

Ich fühle mich allerdings nicht unwohl. Es geht uns gut, wir sind angekommen, haben uns eingelebt, mit Dingen arrangiert, die sich nicht ändern lassen. Es uns schön gemacht, wo es eben geht.

Aber (und das ist ein großes Aber!) Farben sind wichtig fürs Wohlbefinden. Für mein ganz persönliches Wohlbefinden brauche ich kräftige, leuchtende Farben. Wie die Farben des Mittelmeers. Von Teneriffa war ich beispielsweise enttäuscht. Wegen der Farben. Dort war es zwar sonnig und warm und schon schön, aber es fehlten die Mittelmeerfarben. Das Meer leuchtet dort nicht so kräfig blau, ist dunkler. Die Vegetation ist farbloser. Vulkaninseln eben. Nein, ich mochte diese Insel nicht.

Und auch heute sehne ich mich sehr nach den Farben des Mittelmeers. Es sind die Farben, die fehlen.

Moskau im April ist grau und trist und irgendwie schäbig, selbst bei Sonnenschein.

Und laut, dröhnend, ohrenbetäubend. Mit Spikes versehene Winterreifen auf blankem Asphalt, millionenfach. Auch irgendwie Fehlfarben.

Dennoch: es geht voran!! Auch in Moskau. Hoffentlich!

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    Ich bin auch ein Farbenmensch (habe nicht umsonst Druckereitechnik studiert, hihihi) und ich kann Dich nur allzu gut verstehen. Farben sind auch das, was mich hier in diesem unwirklichen Land am meisten fasziniert hat. Ehrlich! Hier ist es immer SATT, egal was. Am Anfang dachte ich, ich haette einen tollen Fotoapparat… aber weit gefehlt. Das sind wirklich DIE FARBEN in real.Der Himmel, das Meer, die Wiesen… alles satt, satt, sattIch bin aber auch Geruchsmensch, viel mehr als ein Farbmensch, vielleicht, und DAS ist ein Aspekt mit dem ich mich nicht ‚arrangieren kann, weil’s nun mal nicht zu aendern ist‘ ;-)Die Gerueche, die meine empfindliche Nase stoeren, stammen von Kuhkadaver, verbranntem Essen oder anderen Sachen die so vor sich hin brennen, einem sterbenden Hund am Strassenrand, Muell, Muell und nochmal Muell, ach, einfach alles was nicht auf die Strasse oder an den Strassenrand gehoert und kraeftig stinkt.Mein tolerantes Gelaber ueber fremde Gerueche, an welche unsere europaeischen Nasen nun einmal nicht gewoehnt sind, nimmt mir hier keines meiner Kinder mehr ab… wir finden: Hier stinkt’s und zwar gewaltig.Und jetzt sag‘: Wie riecht Moskau???

  2. Anonymous

    Das ist echt gut geschrieben. Hast viel Gefühl und Sehnsucht reingepackt und doch les ich (hoffentlich richtig), dass Du nicht aufgibst, sondern Moskau im Mai eine (zwei, drei, vier) neue Chance gibst. Toll!

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