Warum uns ausgerechnet der türkische Ministerpräsident beinahe den Abend verdorben hätte.


Ich würde uns nun nicht gerade als Kulturbanausen bezeichnen. Aber ich muss auch zugeben, dass wir in den letzten Jahren die kinderfreien Abende fast immer nur dazu genutzt haben, uns im Kino von den neuesten Hollywoodproduktionen berieseln zu lassen.

Hier in Moskau geht das wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht. Noch nicht. Und meine „Fortschritte“ in Russisch lassen auch nicht vermuten, dass das in diesem Jahrzehnt noch möglich sein wird.

Am Freitag hatten wir nun zum ersten Mal seit unserem Umzug einen Abend nur für uns. Die Kinder übernachteten bei Freunden und wir nutzten die Gelegenheit und machten Bekanntschaft mit der Kulturszene in Moskau.

Durch Freunde waren wir an Karten zu einem klassischen Konzert im berühmten Moskauer Konservatorium gekommen und genossen eine wunderbare Aufführung von Teilen aus Verdis La Traviata. Zumindest stand das nach der Pause auf dem Programm, denn der Moskauer Verkehr und der türkische Ministerpräsident waren schuld, dass unsere Freunde mit den Karten viel zu spät am Veranstaltungsort ankamen. Rund um den Kreml war wegen des Staatsbesuchs aus der Türkei alles gesperrt, es gab kein Durchkommen und so verpassten wir den ersten Teil der Aufführung und durften erst nach der Pause unsere Plätze einnehmen.

Aber es hat sich dennoch gelohnt, denn das Konservatorium ist ein beeindruckendes Gebäude, auch wenn der Zahn der Zeit unübersehbar daran nagt. Die Russen sind kulturell sehr interessiert, zumindest machte das Publikum einen sachverständigen Eindruck, und das nicht nur, weil kein einziges Handy während der Vorführung klingelte. Außerdem kosteten die Karten weniger als ein Cappuccino in einem Moskauer In-Café und sind auch für Moskauer Bürger mit kleinem Geldbeutel erschwinglich.

Nach dem Konzert ließen wir den Abend beim Essen in einem absolut zauberhaften Restaurant, dem Marivanna ausklingen. Schon der Eingang ist außergewöhnlich. Man zieht an einer Klingel und die Tür wird geöffnet von einem älteren Herrn im sowjetisch anmutenden dunkelblauen Jogginganzug. Der Vorraum ist eng, uralte Schlittschuhe, ein antikes Fahrrad und Holzskier hängen an der Wand und die Garderobe besteht aus einem alten Holzschrank. (In Moskauer Restaurants ist es üblich, dass vor Betreten Jacken und Mäntel von einer Garderobiere in Empfang genommen und verwahrt werden.)

Gerade als ich mich fragte, ob wir wirklich in einem Restaurant gelandet waren, öffnete sich die unscheinbare Eingangstür zum eigentlichen Lokal und staunend ob dieser anderen Welt schlängelten wir uns an vollbesetzten Tischen vorbei. Das Restaurant ist schwer zu beschreiben, einfach wunderbar. Die Bilder sprechen für sich. Das Essen war lecker, aber natürlich – da wir uns in Moskau befinden – nicht gerade günstig. Doch alleine die Atmosphäre und die für russische Verhältnisse sehr nette Bedienung lohnen einen Besuch.

Alles in allem ein gelungener Abend, wenn auch mit Startschwierigkeiten. Aber wir sind uns sicher, dass es bestimmt nicht unser letzter Besuch eines der unzähligen Theater der russischen Hauptstadt und auch dieses besonderen Restaurants war.

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Ein Kommentar

  1. Anonymous

    Hallo Katja,das Marivana erinnert mich ein klein bisschen an das Rosinchen in der Pfalz. Hach, ob wir da noch irgendwann mal wieder hinkommen? Wird immer schwieriger….Liebe Grüße,Aleks

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