Erstklässlerfeeling oder ein Y für ein U.


Letzte Woche war anstrengend. Wir waren zu einem Russisch-Intensivkurs angemeldet. Täglich 6 Stunden Unterricht im Russicum in Bochum. Weia!

Wenn man nicht mehr daran gewöhnt ist, sich täglich über einen längeren Zeitraum hinweg zu konzentrieren, dann ist das alleine schon eine Herausforderung. Im täglichen Leben arbeite ich maximal 3-4 Stunden konzentriert auf der Arbeit am PC. Und das auch nur dreimal die Woche. Die restliche Zeit ist ausgefüllt mir diesem und jenem Kleinscheiß, waschen, putzen, bügeln, einkaufen. Und immer muss man drauf gefasst sein, dass ein Kind reingeschlappt kommt und was trinken, essen, Süßes, Geld fürs Büdchen möchte, was dann oftmals in lebhaften und auch zermürbenden Diskussionen mündet.

Der sehr empfehlenswerte Intensivkurs war da in seiner klaren Struktur eine Abwechslung, aber auch eine Herausforderung. Morgens ganz früh hin, zwei eineinhalbstündige Unterrichtseinheiten, Mittagspause, noch eine Unterrichtseinheit, nach Hause fahren. Die ganze Woche lang. Aber was soll ich sagen – es ist uns gelungen, erste Grundkenntnisse der russischen Sprache zu erwerben. Nach einer Woche können wir sagen, wer wir sind, wo und im wievielten Stock wir wohnen, was wir trinken (Pjom Vodku.), lesen und hören möchten und dass wir zwei Töchter haben. Ob mir das im täglichen Leben beim Einkaufen so nützlich sein wird, weiß ich noch nicht, aber zumindest ist das kyrillische Alphabet nun kein Buch mit sieben Siegeln mehr.

Zwischendrin, während wir Schreibübungen in Druck- und Schreibschrift machten, was zu Anfang eher wie Malen nach Zahlen aussah, konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Da saßen Talat und ich hoch konzentriert nebeneinander und übten As, Os, Ks, Ts und weitere 29 Buchstaben schreiben, genau wie Talya im letzten, ihrem ersten Schuljahr. Immer schön auf der Linie, dieser Buchstabe hat einen Unterstrich, dieser braucht ein Schnörkelchen, jener sieht aus wie ein H, ist aber ein N, während das spiegelverkehrte N ein I und das spiegelverkehrte R ein JA ist. B ist W, P ist R und das Y ist ein U. Hilfe!

Nie hätte ich gedacht, dass ich zum Lesen nochmal den Zeigefinger zu Hilfe nehmen muss. Buchstabe für Buchstabe entziffernd, kämpfe ich mich von Wort zu Wort und manchmal ist die Freude des Wiedererkennens nach lautem Vorlesen der einzige Lohn nach harter Arbeit.

Nächste Woche kommen die Möbelpacker. Morgen feiern die Kinder ihre Abschiedsparty. Und am 28. Dezember geht unser Flug ins Abenteuer. Ich hoffe doch, dass die mühsam erlernten Russischkenntnisse der letzten Woche bis dahin nicht im Chaos des Umzugs verschütt gehen.

In diesem Sinne: Doswidanja.

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    hallo katja,ich finde deinen blog echt klasse und bin schon sehr gespannt auf deine einträge aus moskau :o)ich bin in serbien geboren, wohne aber schon seit kleinkindalter in deutschland, deswegen kann ich mir vorstellen, wie schwer das kyrillische alphabet ist.es grüßt,jelena

  2. Anonymous

    Mensch, da bist Du besser als ich, denn ich kann nach 3 Jahren Thailand immer noch keinen einzigen Buchstaben entziffern :) Ich geb‘ mir aber auch keine Muehe. Vielleicht weil man hier mit Englisch ganz gut voran kommt. Urlaubsinsel eben :) Alles, alles Gute fuer naechste Woche… das liest sich alles rund.

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