Listenliesl

Seit es immer ernster wird mit den Umzugsvorbereitungen, fühle ich mich regelrecht gelähmt. Es gäbe so viel zu tun, auszumisten, umzuräumen, abzuarbeiten. Briefe schreiben, Adressänderungen mitteilen, Unterlagen ordnen.

Doch der Druck ist immer noch nicht groß genug. Und den brauche ich, um richtig aktiv werden zu können. Aber es rumort in meinem Kopf. Ich denke alles genaustens durch. Was wird ausgemistet. Welches Zimmer zuerst und wie gehe ich dabei vor. Welche Möbel kommen mit, welche bleiben in unserem deutschen Domizil, welche kann ich noch verschenken und welche beenden ihren Dienst auf dem Sperrmüll.

Ich bin ein Listenschreiber. Wenn es zu unruhig wird in meinem Gedankenwirrwarr und ich befürchte, den Überblick zu verlieren, dann fange ich an, Listen zu schreiben. Was ist noch zu tun. Wann. Wer macht was. Was mache ich diese Woche. Was erledige ich noch heute.

Diese Listen geben mir ein gutes Gefühl. Ein Gefühl der Ordnung. Aber leider auch das Gefühl, etwas erledigt zu haben. Was aber definitiv nicht der Fall ist. Die Liste erledigt sich ja nicht von allein. Und inzwischen gibt es schon so viele Listen. An allen erdenklichen Stellen finde ich kleine oder größere Zettel mit Listen, die meistens mit immer noch unerledigten Aufgaben gefüllt sind.

Manchmal aber kann ich allen Punkten auf der Tagesliste mit wachsender Befriedigung ein Häkchen hinzufügen und schließlich abends den Tag als guten Tag abhaken. So wie heute. Nach einer unruhigen Nacht, in der der kommende Vollmond, der Regen und das stürmische Wetter mich nicht genug schlafen ließen, fühlte ich mich so elend in der Tatenlosigkeit treibend, dass ich aktiv werden musste, um nicht die Nerven zu verlieren. Gleich nach dem Aufstehen schrieb ich meine Tagesliste.

Sie war heute sehr vielseitig. Arbeiten. Wäsche waschen und bügeln. Einkaufen. 50 Eier kochen und zwei Riesenschüsseln Joghurt vorbereiten für das Gesunde Frühstücksbuffet in der Schule morgen. Elas Laterne reparieren. Den Martinszug und das anschließende Martinssingen überstehen. Zwischendurch natürlich Kinder bekochen, abholen, wegbringen, ins Bett verfrachten. Der ganz normale Mütterwahnsinn eben.

Allerdings kann ich diesen ganz normalen Mütterwahnsinn grade überhaupt nicht gebrauchen und meine Anallesdenkenkapazität kommt so langsam an ihre Grenzen. Nicht umsonst warteten Hemden in größerer Zahl schon tagelang fertig gebügelt in der Reinigung auf Abholung. War mir völlig entfallen. Muss ich doch an so wichtige Dinge denken wie welches Sofa wir wann wie und ob überhaupt in der neuen Wohnung haben werden.

Während ich heute vor der Schule auf St. Martin samt singender Kinderschar wartete, spürte ich, wie die Nervosität und Unruhe stetig stieg. Wie ein Hamster im Hamsterrad drehte ich meine Runden über den Schulhof und konnte mich schließlich nur beruhigen, indem ich die kommenden Tage plante.

Bin gespannt, wann mir die Liste, die ich dabei ins Handy getippt habe, wieder in die Hände fallen wird.

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    Hallo Katja,danke für Deinen Eintrag in meinen Blog, jetzt habe ich mal einen Besuch bei Dir geschafft und weiß jetzt auch „wer“ Du bist ;-) Ihr geht nach Moskau !!! das ist doch der Hammer und ich beneide Dich richtig, auch wenn ich Deine mulmigen Gefühle nachvollziehen kann. Ich denke es wird eine tolle Erfahrung werden. Meine beste Freundin war ein paar Mal dort um Lehraufträge durchzuführen, die Bilder waren beeindruckend, auch wenn die Menschen ein Schlag für sich sind. Nach Moskau und St. Petersburg wollen wir auch unbedingt noch, Anfang des Jahres waren wir in Tallin, wir werden uns nach und nach weiter nach Osten arbeiten. Vielleicht sollte ich meine Russisch Kenntnisse mal wieder auffrischen. Es ist auf jeden Fall sehr aufregend, was ihr vorhabt und seien wir mal ehrlich…wann bekommt man so etwas noch geboten im „Erwachsenenleben“. Die Kinder werden sich sicherlich schnell eingewöhnen, das können Kinder gut und später werden sie es bestimmt auch toll finden. Ich werde Deinen Blog auf jeden Fall weiter verfolgen und wünsche Euch schon mal eine spannende Vorbereitungszeit. Das schiebt sich schon zurecht, es hört sich so an, als würdest Du das gut hinbekommen! Sei ganz lieb gegrüßt, Elena

  2. Anonymous

    Hallo Katja,ich habe dich mal verlinkt in meinen Blog. Moskau einfach toll. Ich hoffe du schreibst viele Eindrücke auf. Habe eine gute Freundin die in Moskau (zu DDR Zeiten) studiert hat. Ersteinmal gute Nerven für euren Umzug wünscht Ute + 6 Wilde Kerle + ?

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