Blickwinkel

„Es ist alles eine Frage des Blickwinkels.“ Das ist eine Devise, die ich mir immer mal wieder zu Eigen mache. Abgesehen davon, dass es einfach stimmt, ist es manchmal sehr hilfreich, die Dinge auch von einer anderen Seite aus zu betrachten.

„Nein, ich will nicht umziehen!“ Das bekam ich neulich wieder zu hören, als ich Talya fragte, ob sie denn schon aufgeregt sei. Da blutet das Mutterherz natürlich und fragt sich, ob wir den Kindern nicht zu viel zumuten. Die Kinder leben im Hier und Jetzt. Es geht ihnen gut hier. Sie sehen natürlich nicht die Chance, die hinter dieser Auslandserfahrung steckt. Ich bin sicher, dass sie das irgendwann begreifen werden. Im Moment ist das aber einfach noch zu viel verlangt.

Also versuche ich, ihren Blick auf das zu richten, was sie nachvollziehen können. Auf etwas Positives, auf das sie sich freuen können: Weihnachten.

Mir wurde zugetragen, Talya freue sich nicht auf Weihnachten, weil wir wegen des Umzugs hier nicht mehr feiern können. Zumindest habe sie das so in der Schule geäußert. Also suchte ich wieder das Gespräch mit ihr und tastete mich langsam an das Thema heran. Ich erzählte ihr, dass wir Weihnachten wie jedes Jahr mit den Großeltern feiern werden und dass wir nur keine Plätzchen backen und das Haus nicht dekorieren werden. Sie schien noch skeptisch. Also zog ich meinen Trumpf.

„In Russland feiert man erst zwei Wochen später Weihnachten. Wenn wir hier gefeiert haben, fliegen wir nach Moskau und dann, am 7.Januar, ist dort erst Weihnachten. Dann machen wir es uns in unserer neuen Wohnung gemütlich und feiern nochmal zusammen.“

Ich freute mich, als ich ein kleines Aufblitzen in ihren Augen sah. Und ich bereute meine Worte fast als mein schlaues Kind begeistert ausrief: „Dann kriegen wir ja auch zweimal Geschenke!“

Tja. Das hat man nun davon. Dass es in Russland zu Weihnachten üblicherweise gar keine Geschenke gibt, sondern man sich zu Neujahr beschenkt, das habe ich auch heute erst erfahren.

Ich werde es erstmal für mich behalten…

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2 Kommentare

  1. Anonymous

    Ich nehme dann mal Deinen Satz, „die Kinder leben im Hier und Jetzt“ und sage Dir, zur Beruhigung, dass sie auch in Moskau so leben werden. Vielleicht am Anfang nicht ganz zufrieden, aber sehr viel einfacher das Hier und Jetzt wiederfindend als wir ollen Erwachsenen. :)Liebe BZ-Gruesse,Ute (Oregon)

  2. Anonymous

    Ich habe gerade in Deinem Blog gelesen und werde Dich jetzt gleich mal in meinen Feedreader aufnehmen. Du schreibst so gut, da möchte ich Euer Moskauabenteuer nicht verpassen.Viel Erfolg – ich kann mich Ute nur anschließen. Ich glaube Kinder finden sich viel schneller zurecht als die Erwachsenen.

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